SPD-Fraktion im Saarland

Die SPD-Fraktion im Saarland auf Facebook

Die SPD-Fraktion im Saarland auf Instagram

Die SPD-Fraktion im Saarland auf Twitter

  • Eine mit einer dünnen Schnur zusammengebundene Zeitung auf der „News & Presse“ und das SPDSaar-Fraktions-Logo zu sehen sind.
    Aktueller Newsletter FraktionsExtra
    Aktuelle
    Presse-
    materialien
Zurück zum vorherigen Bild Weiter zum nächsten Bild

Was mich bewegt.

Deutschland diskutiert ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Auch andere Länder tun das.
Mich überzeugt diese Debatte nicht. Sie greift zu kurz.

Porträt Ulrich Commerçon

Deutschland diskutiert ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Auch andere Länder tun das.
Mich überzeugt diese Debatte nicht. Sie greift zu kurz. Sie tut so, als ließe sich ein strukturelles Problem mit einer Altersgrenze lösen. In Wahrheit geht es um Macht und Geld. Und um die Frage, wer unsere digitale Öffentlichkeit organisiert und nach welchen Regeln.

Altersbeschränkungen gibt es längst. Plattformen verweisen bei Kritik auf ihre Geschäftsbedingungen. Doch ohne wirksame Kontrolle bleiben sie Fassade. Verantwortung wird an Eltern und Kinder delegiert, während das Geschäftsmodell unberührt bleibt. Was in ihren Feeds erscheint, ist kein Zufall. Algorithmen sortieren nicht nach gesellschaftlicher Relevanz, sondern nach ökonomischem Nutzen. Zuspitzung verbreitet sich schneller als Einordnung, Extreme erzeugen mehr Interaktion als Maß. Aufmerksamkeit wird zu Erlös.

Gleichzeitig steigen psychische Belastungen bei jungen Menschen. Essstörungen. Depressionen. Angststörungen. Wer mit einer Zwölfjährigen durch ihren Feed scrollt, erkennt die Dynamik: extreme Körperbilder, riskante Challenges, permanente Bewertung, Hass, Desinformation. Wer jung einsteigt, bleibt länger Teil einer Ökonomie aus Daten, Werbung und Konsum. Für Konzerne sind Kinder ein Wachstumsmarkt. Mehr nicht.

Ein pauschales Verbot wirkt vor diesem Hintergrund wie ein hilfloser Reflex. Ich will Kindern das Internet nicht verbieten. Im Gegenteil. Der digitale Raum ist ein zentraler Ort unserer Zeit. Er ermöglicht Wissen, Austausch, Kreativität und demokratische Teilhabe. Gerade deshalb dürfen wir ihn nicht allein wirtschaftlichen Interessen überlassen.

Und genau hier liegt der entscheidend Punkt der Debatte: Ein pauschales Altersverbot reguliert nicht die Plattformen, sondern die Nutzer. Es adressiert den Zugang, nicht die Machtstrukturen dahinter. Ein netzpolitisch sinnvoller Ansatz müsste dort ansetzen, wo die Steuerung tatsächlich liegt: bei den Plattformen selbst.

Wenn wenige globale Plattformen einen Großteil öffentlicher Kommunikation organisieren, ist das keine private Angelegenheit mehr. Es ist eine demokratische Frage. Wer Öffentlichkeit strukturiert, trägt Verantwortung. Und wer damit erhebliche Gewinne erzielt, muss sich demokratischen Regeln unterwerfen.

Die Freiheit des Internets bedeutet nicht, dass ökonomische Interessen grenzenlos wirken dürfen. Sie bedeutet, dass eine demokratische Gesellschaft die Bedingungen ihrer Öffentlichkeit selbst bestimmt.
Diese Auseinandersetzung steht an. Und sie ist überfällig.

© SPD-Fraktion im Saarland | Datenschutz | Impressum | Barrierefreiheitserklärung | Kontakt | Newsletter | Cookie-Einstellungen