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Ulrich Commerçon
31. Mai 2026

Was mich bewegt.

In Mettlach ist die Benennung einer neuen Kita zu einem Desaster für Kinderaugen geworden. Die Kinder waren aufgefordert, sich einen Namen für ihre neue Kita auszusuchen, hatten sich eifrig darum bemüht, und sich dann für „Haselmaus“ entschieden. Ein Name mit einer Geschichte, mit Bezug zu ihrer Kita und zu ihrem Alltag. Eigentlich genau das, was man sich unter gelebter Beteiligung vorstellt.

Doch am Ende entschied der Gemeinderat anders, mit einer Mehrheit von CDU und AfD. Die neue Kita wird nun „Montclair“ heißen. Wer aufgefordert wird, sich zu beteiligen, sollte doch auch erleben, dass die eigene Stimme etwas bewirken kann.

„Hoffnungslose Kinderaugen 

Sind den Herrschern ganz egal.“ 

Mit diesen eindringlichen Worten beginnt das Gedicht „Kinderaugen“ von Ewald Patz. Eigentlich handelt es von Krieg, von Leid und von der Ohnmacht der Schwächsten. Von Kindern, die erleben müssen, wie andere über ihr Leben bestimmen und es gefährden. Das Gedicht ist in seiner Thematik größer als der Anlass. Zugegeben. Trotzdem musste ich genau daran denken, als mich in dieser Woche Nachrichten aus Mettlach erreicht haben. 

Dort ist die Benennung einer neuen Kita zu einem Desaster für Kinderaugen geworden. Die Kinder waren aufgefordert, sich einen Namen für ihre neue Kita auszusuchen, hatten sich eifrig darum bemüht, den bestenNamen zu finden und sich dann für „Haselmaus“ entschieden. Ein Name mit einer Geschichte, mit Bezug zu ihrer Kita und zu ihrem Alltag. Eigentlich genau das, was man sich unter gelebter Beteiligung vorstellt. 

Eigentlich. 

Denn am Ende entschied der Gemeinderat anders, mit einer Mehrheit von CDU und AfD. Die neue Kita wird nun „Montclair“ heißen. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um den Namen selbst. Vielmehr geht es hier doch um die Frage, welchen Wert das Bündnis von CDU und AfD der Beteiligung von Kindern beimisst. Wer aufgefordert wird, sich zu beteiligen, sollte doch auch erleben, dass die eigene Stimme etwas bewirken kann. Das vermittelt Selbstwirksamkeit. Kinder lernen dabei, dass es sich lohnt mitzumachen. Dass ihre Ideen zählen. Diese Erfahrung ist wichtig für eine lebendige Demokratie.  

Genau deshalb geht es hier längst nicht mehr nur um einen Kita-Namen. Es geht um Glaubwürdigkeit. Wer Beteiligung verspricht, muss auch bereit sein, das Ergebnis auszuhalten. Gerade dann, wenn nicht der eigene Lieblingsvorschlag herauskommt. Alles andere ist Beteiligung mit eingebautem Rücktrittsvorbehalt. 

Nicht zufällig haben wir als SPD-Fraktion das Junge-Menschen-Beteiligungsgesetz auf den Weg gebracht, damit Kinder- und Jugendliche gehört werden. Damit sie demokratische Prozesse mitgestalten. Denn Demokratie beginnt eben nicht mit dem ersten Wahlzettel. Sie beginnt dort, wo Menschen erleben, dass ihre Stimme ernst genommen wird. 

Das Gedicht von Ewald Patz endet übrigens so: 

Hoffnungslose Kinderaugen 

Möchte ich nie wieder seh'n,                                                  

Schmiedet Schwerter zu Pflugscharen 

Und die Welt wär' wunderschön. 

Vielleicht sollte man sich daran erinnern. Nicht wegen eines Kita-Namens. Sondern weil Demokratie dort beginnt, wo auch kleine Stimmen zählen.