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Ulrich Commerçon
24. Mai 2026

Was mich bewegt.

Kein Kind sollte Glück haben müssen, dass jemand für seine Zukunft kämpft, damit es gesehen wird. Kinder müssen spüren, dass ihr Weg offen ist, auch wenn er zu Hause nicht vorgezeichnet wurde.

„Wusstest Du, dass ich nur auf dem Gymnasium gelandet bin, weil meine Mutter vehement dafür gekämpft hat?“, fragte mich kürzlich eine Mitarbeiterin. „Meine Klassenlehrerin in der Grundschule hielt mich zwar für clever genug. Doch weil meine Eltern sogenannte Gastarbeiter waren, schlug sie meiner Mutter vor, lieber eine Realschule oder Hauptschule zu wählen.“

Sie sah mich an und sagte: „Das war vor über 40 Jahren!“

Genau darin liegt das Bittere: Der neue UNICEF-Bericht zeigt, wie hartnäckig sich solche Muster in Deutschland halten. Noch immer entscheidet zu oft das Elternhaus über Bildungsweg und Zukunft eines Kindes. Wenn Chancen vom Geldbeutel oder der Herkunft der Eltern abhängen, versagt Politik bei einer ihrer wichtigsten Aufgaben: allen Kindern faire Startbedingungen zu ermöglichen.

Der neue UNICEF-Bericht zum Kindeswohl-Ranking ist deshalb mehr als eine ernüchternde Bestandsaufnahme. Er ist ein politisches Armutszeugnis: Deutschland landet nur auf Platz 25 von 37 Ländern. Besonders drastisch ist die soziale Spaltung im Bildungsbereich: Während Jugendliche aus privilegierten Familien laut UNICEF zu 90 Prozent die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik erreichen, sind es bei benachteiligten Familien nur 46 Prozent.

Diese Zahlen erzählen von Kindern, denen weniger zugetraut wird. Von Jugendlichen, die kämpfen müssen, bevor sie überhaupt zeigen können, was in ihnen steckt. Kinder- und Bildungspolitik sind deshalb keine Nebensache. Sie entscheiden darüber, wie gerecht ein Land wirklich ist. Wer Kindern früh Perspektiven eröffnet, schafft Chancen fürs ganze Leben. Wer dagegen zulässt, dass Armut und Herkunft über Bildung entscheiden, zementiert Ungleichheit über Generationen hinweg.

Deshalb braucht Deutschland endlich wieder eine Politik, die Kinder und Jugendliche ins Zentrum stellt: mit guten Kitas und Schulen, früher Förderung und echter Teilhabe. Auch wir im Saarland gehen wichtige Schritte, etwa mit der beitragsfreien Kita ab 2027, früher Sprachförderung und mehr Beteiligung junger Menschen.

Ich denke an das Gespräch mit meiner Mitarbeiterin zurück. An ihre Mutter, die damals nicht akzeptiert hat, dass der Weg ihres Kindes kleiner gedacht wurde, nur weil sie und ihr Mann als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen waren. Sie hat darauf bestanden, dass Begabung mehr zählt als Herkunft.

Aber genau das darf in einem gerechten Land nicht vom Mut einer einzelnen Mutter abhängen. Kein Kind sollte Glück haben müssen, dass jemand für seine Zukunft kämpft, damit es gesehen wird. Kinder müssen spüren, dass ihr Weg offen ist, auch wenn er zu Hause nicht vorgezeichnet wurde. Darum geht es am Ende: um ein Land, das Kinder nicht nach Herkunft sortiert, sondern ihnen Türen öffnet.