Was mich bewegt.
Die Ansiedlung des Familienunternehmens Vetter ist nur ein Puzzlestück der Gestaltung des großen Strukturwandels, den wir zu bewältigen haben. Schritt für Schritt entwickelt sich das Saarland weiter zu einem modernen Industriestandort.
Ich erinnere mich noch gut an die ersten Wochen der Corona-Pandemie. Plötzlich wurden Dinge knapp, die wir zuvor für selbstverständlich gehalten hatten: Reis, Fahrräder, Medikamente. Lieferketten gerieten ins Stocken, Apotheken mussten Menschen vertrösten, Familien suchten dringend benötigte Arzneimittel. Viele haben damals gespürt, wie abhängig wir von globalen Produktionsketten geworden sind und wie verletzlich unser Alltag sein kann. Eine Erfahrung, die bis heute nachwirkt. Denn sie hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Resilienz neu zu denken – gerade in Bereichen wie Gesundheit und medizinischer Versorgung.
Genau an diese Zeit musste ich am Mittwoch denken, als Vetter Pharma seinen Spatenstich auf dem ehemaligen Ford-Gelände in Saarlouis gesetzt hat. Für viele frühere Ford-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter ist dieser Ort bis heute eng mit ihrer eigenen Lebensgeschichte verbunden. Mit harter Arbeit, Kollegialität und auch einem Stück Heimat. Gleichzeitig waren die vergangenen Jahre für viele Familien mit Sorgen und Unsicherheit verbunden. Umso wichtiger ist es, dass auf dem Röderberg jetzt neue Perspektiven entstehen.
Die Ansiedlung des Familienunternehmens Vetter ist nur ein Puzzlestück der Gestaltung des großen Strukturwandels, den wir zu bewältigen haben. Schritt für Schritt entwickelt sich das Saarland weiter zu einem modernen Industriestandort. Jahrzehntelang haben Kohle, Stahl und später die Automobilindustrie unsere wirtschaftliche Identität geprägt. Aber unsere Welt verändert sich und damit auch das Saarland. Wir müssen auf neue, auf zusätzliche Branchen setzen. Auf Branchen, die Forschung, Medizin, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und industrielle Produktion verbinden. Das Saarland bringt dafür gute Voraussetzungen mit: anerkannte Forschungseinrichtungen an den Hochschulen des Saarlandes, kurze Wege und vor allem eine gut ausgebildete und flexible Arbeitnehmerschaft.
Die Ansiedlung von Vetter zeigt, welches Potenzial in solchen Branchen steckt: 480 Millionen Euro investiert Vetter in den Standort Saarlouis – die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Bis zu 2.000 Arbeitsplätze entstehen dort, dazu kommen noch zahlreiche Jobs bei Zuliefererbetrieben. Ein echtes Zukunftssignal für unser Land, aber auch ein Auftrag, diese Entwicklung konsequent weiterzuführen.
Klar ist aber auch: Solche Entwicklungen passieren nicht von allein. Sie brauchen politische Entscheidungen, Investitionen und einen langen Atem. Dass Vetter ins Saarland kommt, ist das Ergebnis einer klaren industriepolitischen Strategie von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Wirtschaftsminister Jürgen Barke: Flächen entwickeln, Investitionen ermöglichen, Netzwerke stärken und gezielt Zukunftsbranchen ansiedeln. Vielleicht steht unser Land künftig nicht nur für Auto und Stahl, sondern auch für Forschung, Medizin und Innovation. Das wäre kein Bruch mit unserer industriellen Tradition, sondern ihre erfolgreiche Weiterentwicklung.