„Ich hab’ mein ganzes Leben dort gearbeitet“, hörte ich einen Mann im Supermarkt sagen. Er hielt die Saarbrücker Zeitung in der Hand, auf der groß die Schlagzeile über das letzte Auto bei Ford in Saarlouis stand. Mehr zu sich selbst als zu mir. „Und jetzt
Ein Satz, der hängen bleibt. Weil er nicht nur von Verlust erzählt, sondern auch von Stolz. Auf Jahrzehnte guter Arbeit. Auf das, was Menschen hier im Saarland aufgebaut haben. Mit Können. Mit Leidenschaft. Mit Zusammenhalt.
Mit dem Ende der Autoproduktion in Saarlouis geht ein Stück Industriegeschichte zu Ende. Aber nicht die Geschichte des Saarlandes. Denn Wandel gehört zu uns. Vom Bergbau über den Stahl bis zur Mobilität: Wir haben uns immer wieder neu erfunden. Manches muss sich verändern, damit vieles so bleibt, wie wir es lieben. Wir nehmen unseren Strukturwandel selbst in die Hand. Wie immer.
Und trotzdem ist dieser Moment ein Weckruf. Nicht nur für uns, sondern für Deutschland und Europa. Denn während in Saarlouis die Bänder stillstehen, fehlen anderswo die Halbleiter, um neue Autos zu bauen, Computer und Künstliche Intelligenz zu entwickeln oder medizinische Geräte zu produzieren. Europa ist noch immer zu abhängig von Chips aus China und den USA. Und was passiert, wenn einer der Großen den Hahn zudreht, spüren wir längst: Stillstand in Fabriken, Kurzarbeit, Unsicherheit bei den Beschäftigten.
Die aktuelle Chipkrise ist ein Lehrstück darüber, wie verletzlich wir geworden sind. Wenn wir vom Wohlwollen anderer abhängen, verlieren wir Schritt für Schritt die Grundlage unseres Wohlstands. Deshalb brauchen wir eine europäische Antwort: eigene Produktion, eigene Lieferketten und eigene Rohstoffe. Damit Zukunftsindustrien nicht irgendwo, sondern auch hier entstehen. Europa muss wieder selbst bauen, was es braucht. Das ist keine technische Frage, sondern eine Frage von Sicherheit, Souveränität und Gerechtigkeit.
Im Saarland wissen wir, was industrielle Stärke bedeutet. Sie entsteht dort, wo Menschen anpacken: bei ZF, bei Saarstahl, bei Dillinger und in den Werken von Bosch. Hier liegen die Wurzeln unserer Wirtschaft, aber auch die Chancen von morgen. Mit der geplanten Ansiedlung von Vetter, einem führenden Familienunternehmen in der Medizintechnik, zeigt sich, wie dieser Wandel gelingen kann. Dort, wo einst Motoren gebaut wurden, entstehen künftig Produkte, die Leben retten.
Der letzte Ford in Saarlouis ist deshalb kein Symbol für das Ende, sondern für den Neuanfang unserer industriellen Zeit. Aber wir müssen handeln: mit einer Politik in Deutschland und Europa, die nicht zuschaut, sondern Zukunft baut. Auch hier bei uns im Saarland.