Heute ist Weltfrauentag. Für manche ein symbolischer Termin im Kalender, für andere ein Kampftag. Wer aber mit jungen Frauen spricht, die heute ihren Weg in die Politik finden, merkt schnell: Es geht nicht um Symbolik. Es geht um Teilhabe, um Sichtbarkeit
Vor einigen Wochen war ich zu einer Sitzung der Jusos in Saarbrücken eingeladen. Viele neue Gesichter waren da, darunter viele junge Frauen. Engagiert, klug, selbstbewusst.
Auf die Frage, wie sie zur Politik gekommen seien, kam eine Antwort erstaunlich oft: durch den feministischen Buchclub der Jusos Saarbrücken.
Die Erzählungen der jungen Frauen haben mir eins gezeigt: Das Interesse für Politik und der Wunsch, sich politisch zu engagieren, entwickelt sich manchmal schon zwischen zwei Buchdeckeln.
In Gesprächen über Texte, über Erfahrungen, über Ungerechtigkeiten. Dort, wo junge Frauen merken, dass das, was sie beschäftigt, kein individuelles Problem ist, sondern eine gesellschaftliche Frage. Dass Gleichberechtigung kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein Auftrag.Heute ist Weltfrauentag. Für manche ein symbolischer Termin im Kalender, für andere ein Kampftag. Wer aber mit jungen Frauen spricht, die heute ihren Weg in die Politik finden, merkt schnell: Es geht nicht um Symbolik. Es geht um Teilhabe, um Sichtbarkeit, um reale Chancen. Wir leben in einer Zeit, in der Frauenrechte und Gleichstellung weltweit wieder unter Druck geraten – selbst in etablierten Demokratien.
In einigen Ländern werden hart erkämpfte Freiheiten zurückgenommen. Antifeministische Stimmen gewinnen an Lautstärke, gerade unter jungen Männern. Das sollte uns wachsam machen. Denn Gleichberechtigung ist kein Randthema. Sie ist ein Gradmesser für den Zustand unserer Demokratie. Wo Frauen nicht gleichberechtigt teilhaben können, ist die Gesellschaft nicht frei.Frauen bringen andere Perspektiven ein – in der Politik, in Unternehmen, in der Wissenschaft, im Ehrenamt. Das ist keine Frage von Identitätspolitik, sondern von Qualität. Vielfalt verbessert Entscheidungen. Gleichzeitig ist klar: Frauenpolitik ist keine Angelegenheit nur von Frauen.
Gleichstellung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie gelingt nur gemeinsam. Und es gibt noch viel zu tun: Noch immer verdienen Frauen im Durchschnitt weniger, übernehmen den Großteil unbezahlter Sorgearbeit und sind in Führungspositionen unterrepräsentiert. Noch immer erleben viele Frauen Gewalt oder Diskriminierung. Das sind keine individuellen Schicksale. Das sind strukturelle Ungleichheiten und damit ein klarer Auftrag an die Politik.Der Blick in den Buchclub der Jusos macht dennoch Mut. Junge Frauen warten nicht darauf, dass sich etwas von selbst verändert. Sie organisieren sich, diskutieren, mischen sich ein. Sie wollen gestalten. Gleichberechtigung ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhakt. Sie ist eine dauerhafte Aufgabe.Aus der Kolumnenreihe: Was mich bewegt.