Frauengesundheit muss noch stärker in den Mittelpunkt rücken
Wir wollen, dass geschlechtersensible Medizin selbstverständlich wird: in der Forschung, in der Ausbildung und in der Versorgung. Davon profitieren am Ende alle.
Der Saarländische Landtag befasst sich in dieser Woche mit dem Thema Frauengesundheit und geschlechtersensibler Medizin. Für die SPD-Landtagsfraktion ist klar: Wer Gesundheitspolitik gerecht gestalten will, muss die unterschiedlichen gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen stärker berücksichtigen.
Dazu erklärt Christina Baltes, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion: „Frauengesundheit darf kein Randthema sein. Frauen haben bei vielen Erkrankungen andere Symptome, andere Verläufe und teilweise auch andere Therapiebedarfe als Männer. Wenn wir Gesundheitspolitik wirklich gerecht gestalten wollen, müssen diese Unterschiede stärker berücksichtigt werden.“
Ein Thema, das noch immer zu selten offen angesprochen wird, sind die Wechseljahre. Dabei betreffen sie früher oder später alle Frauen und gehen für viele mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen einher. „Die Menopause hat teils extreme Auswirkungen auf Gesundheit, Alltag und Arbeitsleben. Deshalb müssen die Wechseljahre endlich aus der Tabuzone geholt und stärker in den Fokus von Medizin, Prävention und betrieblicher Gesundheitsförderung rücken“, so Baltes.
Baltes betont zudem, dass bestehende Lücken in der Krebsfrüherkennung geschlossen werden müssen. „Gerade im Bereich der Krebsvorsorge gibt es noch immer Untersuchungen, die als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen – kurz IGeL – privat bezahlt werden müssen. Dabei handelt es sich um medizinische Leistungen, die derzeit nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören“, so Baltes. Ziel müsse es sein, medizinisch sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen künftig breiter über die gesetzliche Krankenversicherung zugänglich zu machen.
Baltes unterstreicht darüber hinaus, dass es dabei vor allem um konkrete Verbesserungen in Forschung, Prävention und Versorgung geht. Dazu gehört unter anderem, geschlechtersensible Medizin stärker in Ausbildung und Weiterbildung der Gesundheitsberufe zu verankern, die Forschung zu frauenspezifischen Erkrankungen auszubauen und mehr Aufklärung über Symptome und Vorsorge zu schaffen.
Gerade bei Erkrankungen wie Endometriose sehen wir, wie wichtig bessere Forschung, frühere Diagnosen und eine gute Versorgung sind. Viele Frauen durchlaufen heute noch einen viel zu langen Leidensweg, bevor die Krankheit erkannt wird. Gleichzeitig zeigt sich der Gender Health Gap auch bei klassischen Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes: Symptome, Risiken und Therapien sind bei Frauen oft anders ausgeprägt, wurden aber lange zu wenig erforscht.“
Gleichzeitig verweist Baltes darauf, dass im Saarland bereits wichtige Grundlagen vorhanden sind. Mit dem Zentrum für geschlechtsspezifische Biologie und Medizin an der Universität des Saarlandes gebe es eine bundesweit anerkannte Forschungseinrichtung. Auch spezialisierte Angebote etwa zur Behandlung von Endometriose oder in der Brustkrebsversorgung seien wichtige Bausteine einer guten medizinischen Versorgung: „Darauf können wir aufbauen. Jetzt geht es darum, das Wissen stärker in die Praxis zu bringen, die Aufklärung in der Bevölkerung zu verbessern und Versorgungslücken zu schließen.“
Aus Sicht der SPD-Landtagsfraktion braucht es zugleich mehr Aufmerksamkeit für Erkrankungen, die Frauen besonders häufig betreffen. Endometriose führe für viele Betroffene noch immer zu langen Leidenswegen bis zur Diagnose. Brustkrebs ist mit rund 900 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen im Saarland.
Für die SPD-Landtagsfraktion kommt es deshalb besonders auf drei Punkte an:
- mehr geschlechtersensible Medizinin Forschung, Ausbildung und Versorgung,
- mehr Aufklärung und Prävention, etwa bei Vorsorgeuntersuchungen, HPV-Impfungen, Menopause und reproduktiver Gesundheit,
- eine bessere Versorgung und Vernetzung spezialisierter Angebotefür Frauen.
„Gesundheit hängt nicht nur von biologischen Faktoren ab, sondern auch von Lebensrealitäten – etwa von Arbeitsbedingungen, sozialer Lage oder Gewalt gegen Frauen. Genau deshalb müssen Prävention, Versorgung und Aufklärung stärker zusammen gedacht werden“, betont Baltes.
„Unser Ziel ist klar: Wir wollen, dass geschlechtersensible Medizin selbstverständlich wird: in der Forschung, in der Ausbildung und in der Versorgung. Davon profitieren am Ende alle“, so Baltes.