(02.07.10) Qualifizierung statt verpflichtender Führungszeugnisse bei ehrenamtlicher Jugendarbeit
„Die Jugendleiterausbildung in den Mitgliedsverbänden ist der zentrale Schlüssel zur Qualifizierung unserer ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Dort lernen sie, Kinder stark zu machen und sie dabei zu fördern, auch ‚Nein’ sagen zu dürfen.“ Dies betonte Holger Meuler, der Vorsitzende des Landesjugendrings, in einem Gespräch mit dem jugendpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Magnus Jung, in Saarbrücken. Hintergrund ist die derzeitige Diskussion um sexualisierte Gewalt in Institutionen wie Schulen, Internate und im Jugendhilfebereich, zu dem auch die ehrenamtliche Jugendarbeit gehört. Magnus Jung unterstützt diesen präventiven Ansatz: „Die verpflichtende Vorlage von Führungszeugnissen für die ehrenamtlich Tätigen in der Jugendarbeit wäre der falsche Weg. Bei tausenden von Freiwilligen ist ein solches bürokratisches und letztlich nicht aussagekräftiges Instrument nicht zielführend. Es ist unangemessen im Aufwand und erhöht die Hürden für freiwilliges Engagement.“
Ein derzeit auf Bundesebene entstehendes Kinderschutzgesetz habe, so beide Gesprächspartner, die besonderen Bedingungen ehrenamtlicher Jugendarbeit zu betrachten. Catharina Becker, Vorstandsmitglied des Landesjugendrings erläuterte weiter: „Örtliche Initiativen, Gruppen und Verbände sollten vorbeugende Maßnahmen erarbeiten, die die Aufmerksamkeit der Ehrenamtlichen in den Organisationen zum Schutz der Kinder gegen Gewalt jeder Art innerhalb der eigenen Reihen, aber auch von außen sensibilisiert.“ Dazu gehörten neben der Ausbildung z.B. Selbstverpflichtungen der Verantwortlichen, Ansprechpersonen für die Eltern, Präventionsbeauftragte und die Unterstützung durch externe Fachkräfte.
Gegenstand des Gespräches war auch der Landesjugendhilfeausschuss, in dem Regierung, Landtagsfraktionen und Jugendhilfeträger über wichtige Fragen der Kinder- und Jugendpolitik beraten. Beide Seiten zeigten sich unzufrieden darüber, dass dieses wichtige Landesgremium lange nach Beginn der neuen Legislaturperiode bisher noch nicht konstituiert ist.
Weitere Diskussionspunkte waren zudem die zunehmenden Klagen von BürgerInnen gegen Kinderlärm. Sollten hier gesetzliche Maßnahmen notwendig werden, um Freiräume für Kinder und Jugendliche vor Klagen zu schützen, wolle der Landesjugendring eine entsprechende Initiative unterstützen. Zum Abschluss des Gespräches wurden die Auswirkungen der Schuldenbremse für die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in künftigen Landeshaushalten kritisch erörtert.